| E l m s t e i n | 14.07.2010 |
Warum zogen die gefiederten Bewohner des Gemäuers vom Alten Turm in Appenthal so aufgeregt ihre Bahnen? Sind sie doch meistens kaum oder nur vereinzelt sichtbar. Ahnten sie von dem bevorstehenden Besuch der „Fußball-Oldies Lambrecht und Tal“. Diese Gruppe besteht aus Senioren über 60 Jahren (nach oben keine Grenze) unter dem Vorsitz von Gerhard Kuntz. Außer dem Fußballspiel pflegen sie das Wandern und dies wenn es terminlich klappt einmal monatlich. An diesen Wanderungen beteiligen sich auch zahlreiche Sympathisanten/innen aus dem Verbandsgemeindeumfeld. Am Mittwoch den 14.07.2010 mit dem Linienbus um 10.00 Uhr traf die Gruppe, die eine Wanderung im Gebiet des Grünberges im Programm hatte, in Appenthal ein. Wanderführer Peter Baumann begrüßte, die trotz Temperaturen an Morgen von schon über 30 Grad noch Wanderwilligen und lud als erstes zur Besichtigung des imposanten Bauwerkes und Wahrzeichens von Appenthal, dem „Alten Turm“ ein. Ein Mitglied des Fördervereins „Alte Kirchenruine Appenthal“ erklärte in Kürze die frühere Bestimmung dieser wuchtigen Bauruine. Er öffnete den in neuer Zeit hergerichteten „Sakristeiraum“ und konnte anhand des von Ludwig Leuppert geschaffenen Modells anschaulich machen, welches gewaltige Bauwerk da diese Talweite vor Elmstein im 15 Jahrhundert zierte. Wie die Forschungsbemühungen des Fördervereins „Alte Kirchenruine Appenthal“ in den über 20 Jahren seines Bestehens zweifelsfrei ergeben haben, war dieses Bauwerk eine „kurfürstliche Kirche“, kein Kloster wie im 19.Jahrhundert und auch in jüngster Zeit noch teilweise angenommen wird. Im Osten der Kirche, bei einem Brunnen unter dem Saalanbau der Gastwirtschaft „Zum Alten Turm“ verschwunden, war vermutlich der Besiedlungsanfang des Weilers vor Elmstein, der ab der Errichtung der Kurfürstlichen Marienkirche, den Namen„Appenthal“ bekam. Historiker sprechen von einem Baubeginn 1488, für die Capelle. Diese verniedlichte Bezeichnung deswegen, weil es in Elmstein eine Pfarrkirche gab, die sich allerdings in den Dimensionen nicht mit dem Bauwerk in Appenthal messen konnte. Die anfängliche Ausstattung der Capelle mit geistlichen Personen, die für das Seelenheil des Stifters „Kurfürst Philipp der Aufrechte“ (1448-1508) Messen zu lesen hatten, konnte aus Kostengründen nicht beibehalten werden (Parallelen zu heutigen Bestrebungen erkennbar). Ab 1526 war nur noch ein Kaplan an der Appenthaler Kirche. Außerdem breitete sich die neue Lehre (Reformation) im Tal aus. Ab 1560 wurden die Pfründe (Unterstützungen) eingezogen und die Capelle wird verlassen. Gottesdienste finden vermutlich keine mehr statt. Von der sich mehrenden Bevölkerung in Appenthal wurde das leer stehende Gotteshaus, nicht unbedingt legal, als Steinelieferant für Wohn- und Stallbauten genutzt. Nur der gewaltige Turm widerstand allen Versuchen und präsentiert sich heute noch als „rätselhaftes Zeugnis“ einer solch aufwendigen Kirche in der Waldeinsamkeit. Der Aufenthalt der „Oldies“ in der angenehm kühlen Sakristei musste abgebrochen werden, war doch noch eine Tour von ca. 8 km zu bewältigen. Mühlstraße, Konrad-Haag-Straße über den sogenannten „Canon“ der Eisenbahnstrecke erbaut in den Jahren 1907-1908. Am Lokschuppen, heute Restaurant, ging es einen alten Schubkarrenpfad durch früheres Ackergelände zu einem exzellenten Aussichtsplatz über Elmstein. Hier an der Heinrich-Weintz-Linde und dem Gedenkstein an diesen für Elmstein verdienstvollen Ehrenbürger, wurde die nächste Besichtigungsrast eingelegt. Heinrich Weintz von der Haardt stammend kam als Junglehrer Ende des 19, Jahrhunderts nach Elmstein, wo er sein Leben der Jugend dieses Walddorfes, den verschiedenen Vereinen, der Musik und der Malerei aber vor allen Dingen der Geschichte des Ortes und dem Wald widmete. Mit weniger Wegstrecke als bei einer Dorfführung hat man an dem Heinrich-Weintz-Gedenkplatz alle repräsentativen Baulichkeiten von Elmstein: Kirchen, „neue“ und alte Schulgebäude, ehemalige Forstgebäude, ehemaliges Jagdhaus, viele beachtliche Privatbauten und natürlich die Burgruine vor Augen. An der Grenze des Privatgeländes (früher Ackerland) was auch die Steingeröllhaufen anzeigten, wurde zur „Hohen Buche“ weitergewandert. Dieser stattliche Baum ein Naturdenkmal fiel vor 60 Jahren noch stark auf, ist aber inzwischen von dem Bewuchs um ihn eingeholt, dass er aus der Ferne gar nicht mehr sichtbar ist. Auf dem Grat wurde bis zu einem Weg nach Iggelbach gelaufen. Vorbei an der ehemaligen Maschinenhalle des Forstes zum Zimmerplatz weiter oberhalb des Neubaugebietes „Kurzes Eck“ erreicht man nach ca. 40 Minuten das Treffnix. Ein etwas sonderbarer Name einer Wegspinne, bei der sich acht Wege treffen. Heinrich Weintz schreibt in seinen ortsgeschichtlichen Abhandlungen, dass hier ein Schießübungsplatz für Förster gewesen sein soll. Dass da nicht jeder Schuss ins Schwarze traf, führte zu mancherlei Neckereien und auch zu dem Namen „Treffnix“ an dieser Wegekreuzung. Nach einem stärkenden Schluck aus der „Pulle“, gings bergab nach Appenthal und da weiter zur Sportanlage des VfL. Da die Zeit fortgeschritten war, nicht wenige Mägen der Teilnehmer schon verdächtig knurrten, beschleunigte der „Duft“, der das Tal ausfüllte, nochmals den Schritt, der auch durstigen Wanderer/innen, und dankbar ließen sie sich im Schatten des Sportheimanbaues nieder. Dort waren einige fleißige dienstbare Geister aufgeboten, um die müde Schar wieder aufzurüsten. Nachdem dem ersten Durst abgeholfen war, wurde zu einem reichlich bestückten Salatbüfett aufgerufen. Auch der herrliche duftende Spezial-Spießbraten von „Spießbraten-Meister“ Manfred Melzer ließ nicht lange auf sich warten und die allgemeine Unterhaltung verstummte bis die Schar gesättigt und zufrieden wieder ihre Sprache fand. Peter verteilte blaue Mappen, die sich als Liedersammlungen der AH Elmstein herausstellten. Ohne Animation klappt kaum ein Gesang unter solch einer bunten Schar. Aber auch dazu war vorgesorgt. Friedel Schneider zauberte sein Akkordeon hervor und der Gesang erklang unermüdlich. Hinter der Theke für die Küche waren Elke Schneider und Inge Kuntz, am Grill Angelika Melzer und Manfred Melzer, am Ausschank Jürgen Riesbeck und Friedel Schneider (Musikus) um das Wohl der Gäste bemüht. Der Wanderorganisator der Gruppe Herbert Glass, ließ über die nächste Wanderung, die am 11. August 2010 zur Hellerhütte gehen soll, abstimmen.
von Fridolin Heintz
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