| E l m s t e i n | 29.01.2010 |
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Glöcknerin Hanni Müller für 30 jährige Tätigkeit geehrt
Hanni Müller ließ sich im Jahre 1979 überreden vertretungsweise den Glöcknerdienst, am nahe gelegenen Läuteturm auf dem „Hübel“ (Hewwel) in Appenthal für eine kurze Übergangszeit von dem Glöckner Herbert Kullmer zu übernehmen. Aus der „kurzen Übergangszeit“ wurden nunmehr schon über dreißig Jahre. Kullmer konnte aus Krankheitsgründen den Läutedienst nicht mehr aufnehmen. Bei Hanni Müller wurden 1982 die Bedienungsschalter für die 1965 eingebaute Automatik des Geläutes im Haus installiert, so dass der tägliche Gang zum Glockenturm entfiel. Dieser war besonders im Winter bei Schneefall und Eisbildung, wie wir das bei der derzeitigen Wetterlage erleben, mit großer körperlicher Anstrengung und Gefährdung verbunden. Hanni Müller hat inzwischen mit Abstand die meisten Glöcknerdienstjahre in der 110 jährigen aktiven Geschichte „Glocken in Appenthal“. Der erste Vorsitzende des Glockenvereins Dieter Schenck war der Ansicht, dass dieser treue Dienst eine Ehrung wert ist. Ein Besuch am 28.Januar 2010 bei der Glöcknerin mit einer dankenden Würdigung und einer Aufmerksamkeit drückten seine Hochachtung an der Leistung von Hanni Müller aus. Diese ließ durchblicken, dass sie solange es ihre Gesundheit erlaubt, weiterhin zu dem ihr ans Herz gewachsenen Dienst bereit ist. In dem noch vorhandenen Protokollbuch des Glockenvereins ist am 8. Januar 1899 Johann Kropp als erster „Vereinsdiener und Glöckner“ verzeichnet. 13 weitere Namen folgen: Karl Flockerzi, Johannes Münch Wagner, Barbara Fuchs, Wilhelm Baumann, Lukas Müller, Johann Kullmer, Friedrich Kullmer, Magdalene Baumann, Frieda Fuchs, Johann Münch, Alfred Kullmer, Egon Schäfer und Herbert Kullmer bis 1979. Die Dauer der Beschäftigung der Glöckner war ganz verschieden. Überschlagen wir aber kurz, so sind die 80 Jahre durch 14 Personen zu teilen, das ergibt eine ungefähre Durchschnittdauerbeschäftigungsdauer von 5,7 Jahren pro Glöckner. „Vereinsdiener und Glöckner“, diese Kombination des Dienstes wurde bis in unsere Zeit beibehalten. Beginnt ein Neues Jahr begegnet man Hanni Müller in den Dorfstraßen beim Inkasso, der zur Zeit ca.180 Familienbeiträge für den Glockenverein. An der Bar-Kassierung wurde bis heute nichts geändert, denn trotz manchem Doppelgang schätzt Hanni Müller diese Kontaktmöglichkeit zu den Vereinsmitgliedern einmal im Jahr. Nach der gegebenen Läuteordnung zeigen die Appenthaler Glocken im Tageslauf die Stunden 8.00 Uhr, 11.00 Uhr und 18.00 Uhr an; läuten Zeichen, wenn ein Appenthaler Bürger gestorben ist; läuten bei der Bestattung der/des Toten; läuten an den Hochzeiten, läuten den Sonntag, die Feiertage und den Jahreswechsel ein und rufen zu den evangelischen Gottesdiensten in Elmstein. Eine Erinnerung an den Spender, der diese Aufgabe mit den Glocken Appenthal bescherte. Konrad Haag geb. 1813, gestorben 1888 in Appenthal. Verheiratet mit Katharina geb. Müller aus Mehlingen blieb aber kinderlos. Er war ab 1842 Besitzer der Appenthaler Mühle. Durch seine Beharrlichkeit gelang es ihm die Mühle um ein Sägewerk zu erweitern. Ein Vorhaben um das sein Vater Johann Friedrich Haag sich vergeblich bemüht hatte. Trotz der danach anhaltenden Widersprüche der angrenzenden Wiesenbesitzer erwarb er das Vertrauen der Elmsteiner Bevölkerung und wurde in den Jahren 1863 bis 1868 gar Bürgermeister. Seine Werkserweiterung um das „Holzschneidewerk“ schuf einige, ach so nötige Arbeitsplätze. Konrad Haag brachte es mit seiner Mahl- und Schneidemühle zu einem gewissen Wohlstand. Als er ins Rentenalter kam, wollte er offenbar nicht nur seine Verwandten; die Familie seiner Schwester die die Mahl- und Schneidemühle übernahmen, sondern auch seine Heimatgemeinde bei verschiedenen gemeinnützigen Zwecken und Projekten unterstützen. Dazu war eine Summe festgelegt, auch zur Anschaffung von zwei Glocken für Appenthal. Sollte das Geld in einer vorgegebenen Zeit nicht dem Zweck zugeführt werden können, fällt es an die Angehörigen zurück. Sofort nach dem Ableben von Konrad Haag tritt der Gemeinderat zusammen und beschließt die Verwendung der gestifteten Gelder. Die Glocken wurden bei der Glockengießerei Pfeifer in Kaiserslautern bestellt. Nach einigen Lieferschwierigkeiten, konnten sie an provisorischem Gestell aufgehängt, aber das Weihnachtsfest 1889 einläuten. Bemühungen die Glocken im Alten Turm der Appenthaler Kirchenruine unterzubringen, scheiterten an den Kosten. Im Jahre 1909 wurde ein Glockenturm aus Stein als Aufhängung für die Glocken durch die Firma Ludwig Kuhn Esthal gebaut. Schon im Juli 1898 gründeten die Appenthaler Bürger einen Verein der sich um die Glocken, den Glockenturm und das Areal kümmert. Jenseits von Parteilichkeit oder Konfessionalität müht sich diese Bürgerinitiative um das geschätzte Wahrzeichen des Appenthaler Dorflebens.
von Fridolin Heintz
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